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Gedanken zum Gründonnerstag

In der Nacht, da Jesus verraten ward ...

In der Nacht, da Jesus verraten ward …

Was geschieht nicht alles in jener Nacht:

Jesus schenkt seinen Jüngern sichtbare Zeichen seiner Liebe:

Dienendes Handeln – eine Wohltat. In dieser Nacht wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße. Sie hatten schon beschwerliche und anstrengende Wege hinter sich gebracht, aber Jesus weiß, ein noch viel härterer Weg liegt noch vor ihnen.

Ein feierliches Mahl – das Brechen des Brotes weist schon jetzt auf Jesu Leiden am Kreuz hin, der Wein auf das Blut und seinen „Opfer“-Tod. Dieser Opfertod wird bildlich und eindrücklich vorweggenommen und erfährt in dieser Vorwegnahme ewige Gültigkeit. Das ist der Grund dafür, dass wir seit jenem Gründonnerstag das Heilige Abendmahl miteinander feiern.

 

In der Nacht, da Jesus verraten ward …

… sitzen sie zu Tisch und feiern. Keiner ahnt etwas von der „Nacht der Nächte“, die folgen wird. Man redet und diskutiert: Gespräche. Tischgespräche, Nachtgespräche, Austausch, Ermutigung, Zurechtweisung, Warnung, Gebet und Fürbitte: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“ (Lukas 22,32).

 

Ölbergnacht – so nennen wir diese Nacht. Jesus zieht sich mit seinen Jüngern zum Gebet zurück. Wer betet braucht einen geschützten ruhigen Ort. Der Ort des Gebets ist weder ein Tempel noch eine Kirche: Es ist ein Ort der Stille. Am Fuß des Ölbergs, östlich von Jerusalem, liegt ein Garten. Er heißt Gethsemane, zu Deutsch „Ölpresse“. Die Arbeit an der Ölpresse ruht; auch die Jünger ruhen, sie können nicht mehr. Der Schlaf überwältigt sie. Jesus bittet sie: „Wachet und betet mit mir!“ Doch die Jünger schaffen es nicht, mit ihm und für ihn zu beten. Zu müde, zu kraftlos sind sie, jeder für sich. Der Aufruf zum Gebet verhallt zwischen den Olivenbäumen. Es gibt sie, diese schrecklichen Momente, in denen uns selbst die Kraft zum Gebet fehlt.

 

In der Nacht, da Jesus verraten ward …

… ist Jesus wach, hellwach. Er ringt mit sich, er ringt mit Gott, er ringt um einen anderen Weg. Aber das Kreuz ist und bleibt die einzige Möglichkeit, Gott und Mensch miteinander zu versöhnen. War denn nun alles Beten umsonst? Nutzlos? Nein! „Es erschien Jesus ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.“  Im Gebet erkennt Jesus, er muss und er wird diesen Weg gehen.

 

In der Nacht, da Jesus verraten ward …

… beginnt der eigentliche Leidensweg, gespickt mit Enttäuschung, Verrat, Verleugnung und Verleumdung, Folter und Demütigung, unerträglichen Qualen bis in den Tod; und Jesus geht ihn konsequent, jedoch gestärkt … vom Himmel, von seinem Vater her.

 

In der Nacht, da Jesus verraten ward …

Diese Worte leiten seither das Heilige Abendmahl ein. Mit dem Abendmahl verschwinden nicht alle Probleme wie von Zauberhand, aber wir werden „vom Himmel her gestärkt“. Solche Stärkung brauchen wir gerade jetzt, wenn wir auf Abstand gehen und ihn halten müssen, um uns, unsere Lieben zu schützen, wenn der Gemeinschaft die physische Nähe fehlt, wenn wir uns allein gelassen fühlen.

 

Wir erinnern uns an Jesus, wie er ist: liebevoll begegnet er Menschen. Wir erinnern uns, dass er als das „Lamm Gottes“ unsere Sünde trägt und unseren Tod erleidet. Wir erinnern uns, dass er durch Vergebung und Versöhnung echte Gemeinschaft stiftet und Hoffnung in müde Herzen pflanzt. Das alles und noch viel mehr nimmt seinen Anfang in der Nacht, da er verraten ward.

 

Manche Wege können wir nur in der Kraft Gottes gehen, sie sind für uns zu schwer. Ein Vorbild ist Dietrich Bonhoeffer, der heute vor 75 Jahren umgebracht wurde. Sein Gang in den Widerstand, wie auch sein Gang zum Galgen waren solch schwere Wege. So berichtete der Lagerarzt später sehr eindrücklich den letzten Weg: „…ich sah vor der Ablegung der Häftlingskleidung Pastor Bonhoeffer in innigem Gebet mit seinem Herrgott knieen …“

Bonhoeffer hatte einmal folgenden Gedanken verfasst: „Gott lässt sich aus der Welt heraus drängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.“

 

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie in diesen Tagen eine solche Stärkung und Zuversicht vom Himmel her erfahren, wenn Sie – wo auch immer – mit Gott reden, wachen und beten.

 

Ganz herzliche Grüße und in Jesus Christus verbunden

 

Ihr Pfarrer Reimund Lenth

 

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